1920 - Lieder der MärzrevolutionPressestimmen (chronologisch):Seite: 2/2
"Der März 1920 ist der größte Aufstand in der Geschichte der Arbeiterbewegung", sagt Frank Dittmeyer von der Geschichtswerkstatt Oberhausen. "Allein bis April starben über 20 Menschen in Oberhausen. Im gesamten Ruhrgebiet waren es über 1000." Zufällig arbeitet in der Geschichtswerkstatt Marion Leschinsky: Von ihrem dichtenden Großonkel Johannes erfuhr sie erst durch das CD-Projekt. Der "Gänsehautfaktor" sei natürlich riesig groß beim Hören der Musik, sagt sie.
WAZ Oberhausen, 14.3.2006
Zweimal haben die Avantgarde-Folker "Die Grenzgänger" schon den Deutschen Schallplattenpreis eingefahren, für Auswanderer-Lieder und für eine Hoffmann-von-Fallersleben-CD. Für "1920" wäre er dreifach verdient. Denn das alles ist ohne jede Oberlehrer-Manier gesungen und hat einen Hauch von gutem altem Schulfunk, gesungen, versteht sich. Das 68 Seiten pralle Booklet zu diesem Album weiß jedenfalls mehr zu erzählen als die allermeisten Schulbücher!
Jens Dirksen, Neue Ruhr Zeitung, 15.3.06
Doch nun ließ dieselbe SPD-Regierung dieselbe Reichswehr, die eben noch gegen sie geputscht hatte, auf die Arbeiter schießen. Es gab etwa 1000 Tote, meist vom Militär ermordete Zivilisten, es wurden Folterkeller errichtet und öffentliche Erschießungen veranstaltet, bei denen sich die Verurteilten ihr eigenes Grab schaufeln mussten, wie später bei der SS und dem Vernichtungskrieg der Wehrmacht in Osteuropa... Drei Künstler-Generationen sind zu hören, von dem 1903 (!) geborenen Arbeiterdichter und Zeitzeugen Johannes "Hannek" Leschinsky über den 40 Jahre jüngeren Frank Baier bis zu der herrlich lockeren, jungen Gruppe "Die Grenzgänger". Höchst lesenswert ist das 67-seitige Beiheft mit vielen, teilweise erschreckenden historischen Fotos...
Rheinische Post (Duisburg), 15. März 2006, Ingo Hoddick
Doch die vier Vollblut-Volkssänger können auch ganz anders: der souveräne Grenzgänger-Leadsänger Michael Zachcial, Arne Wagner sehr aktiv am Bass und der kongenial Mandoline, Banjo, Ukulele und Geige spielende Jörg Fröse; dazu Frank Baier, 2003 nominiert als "Bürger des Ruhrgebiets", mit Ukulele, "Quetsche" und Mundharmonika. Viel Groove in den Melodien und bissig-intelligente Texte...
Westfälischer Anzeiger, 21. März 2006
"Die Grenzgänger" bieten eine originelle Mischung aus Marschlied, Folk, Blues und Rap; der Gesang hat nichts vordergründig Agitatorisches. Frank Baier feierte kürzlich beim Folkfestival in Rudolstadt mit den Rappern "Sons of Gastarbeita" ein Comeback. Die sorgfältig arrangierte CD "1920" ist eine Ausgrabung und ein Requiem auf die Opfer des Aufstands, das unseren Respekt verdient.
Thüringische Landeszeitung, 24.03.2006 Von Frank Quilitzsch
Die Bremer Band Grenzgänger, Preisträger der deutschen Schallplattenkritik, haben sich nun dieses Themas wieder angenommen und zusammen mit dem Ruhrgebietsoriginal Frank Baier eine CD produziert, die nicht nur durch viel Liebe und Sorgfalt besticht (das sehr schöne und informative Booklet hat 68 Seiten), sondern auch durch eine musikalische Vielfältigkeit, die man im Bereich des eher altbackenen Arbeiterliedgutes selten antrifft. Mittels einem gelungenen musikalischem Crossover werden die historischen Auseinandersetzungen zwischen Herr und Knecht ebenso aufzeigt wie deren Aktualität: Beeindruckend die Vertonung eines ergreifenden Gedichtes von Ferdinand Freiligrath aus dem Revolutionsjahre 1848. Überaus erfrischend sind gerade jene alten Lieder, die nun als Rap daherkommen und keine Spur von Kitsch oder bemühter Langeweile aufweisen.
Christoph Jünke, Junge Welt, 27.03.2006 / Feuilleton / Seite 12
....und es gibt immer wieder Manifestationen einer pazifistischen, antiautoritären Grundhaltung. Die ist es letztlich, der sich die Grenzgänger spürbar und hörbar am stärksten verbunden fühlen. Und damit ein bisschen mehr von dem historischen Kontext erkennbar wird als das, was unmittelbar in den Liedern steckt, wird die CD von einem ungewöhnlich umfangreichen und sorgfältig zusammengestellten Booklet begleitet, in dem über Geschichte nachgedacht wird und über die eigenartigen Wege, die eine Überlieferung nehmen kann, wenn sie nach Jahren des Verschwindens und Veraltens plötzlich einfach wieder auftaucht.
Hans-Jürgen Linke (Frankfurter Rundschau, 30.3.2006)
Die CD "1920 - Lieder der Märzrevolution" kann insgesamt als ein gelungener Versuch verstanden werden, sich wieder der Geschichtsschreibung von unten anzunehmen. Sie bietet einen anderen Blickwinkel auf geschichtliche Ereignisse als das, was uns in der Schule und Universität gelehrt wird. Die Umsetzung erfolgt ohne erhobenen Zeigefinger oder den verstaubten Ton von K-Gruppen geschädigten Parteihistorikern, sondern in einer lockeren, in der Liedermacher-Tradition verhafteten Weise. Bereits in der Vergangenheit haben sich Frank Baier und auch die Grenzgänger separat von ihm in kompetenter Weise dem fast vergessenen Liedgut der ArbeiterInnenklasse angenommen Der Rückgriff auf das längst vergessene Liedgut der ArbeiterInnen ist ein wichtiger Schritt, sich über die eigenen Wurzeln und Geschichte wieder bewusst zu werden - ohne dabei automatisch in eine unkritische Betrachtungsweise zu verfallen.
DJ Chaos, in: Contraste: (Monatszeitung für Selbstorganisation) Mai 2006
Selten war Geschichte so aufregend zu hören, zu lesen und zu wippen. Das sorgfältig editierte Textbuch (68 Seiten!), enthält alte Revolutionslieder und politische Moritaten, auch viele historische Informationen. Aber neuere Texte sind ebenso dabei, deren beißendster Spott der SPD vorbehalten ist, der sie auch noch heute "gern die Hosen stramm ziehen" (Baier) würden. Musikalisch sind die alten Liedermachertraditionen modern und kräftig arrangiert, vieles aber auch in verhalten-melodischer Trauer der Ballade belassen. Im "März-Rap" zeigt Frank Baier zusammen mit den Sons of Gastarbeita, warum es absolut Sinn macht, sich die Re-volution von 1920 auch wieder "zurückzurappen": "Und dich wundert / warum das alles so läuft - / warum sich statt der Hoffnung / die Gleichgültigkeit häuft." Nicht nur für jede(n) Geschichtslehrer(in) ist das Projekt "Märzrevolution" ein Kleinod.
Brigitta Huhnke, in Folker, Mai 2006
Ein solches Projekt, das der historischen Aufarbeitung gewidmet ist, könnte ein wenig trocken und arg didaktisch werden. Aber die "Grenzgänger" haben schon mit den beiden früheren CDs bewiesen, wie frisch und frech sich mit Geschichte umgehen lässt, denn sie fassen die überlieferten politischen Lieder nicht als sakrosankt auf, bearbeiten sie vielmehr mit allerhand Mut zum Risiko. Mal ist es ein Rap, mal swingt ein politisches Statement frech, so dass die alten Texte (die meisten von unbekannten Arbeiterdichtern, aber auch solche von Erich Mühsam, Ferdinand Freiligrath und Rio Reiser!) neu und sehr aktuell klingen. Ein überaus gelungenes Album - in dieser Form macht Geschichtsunterricht richtig Spaß!
Christian Emigholz - Weser-Kurier, 1.6.2006
Die Gruppe hat ohne Zweifel ein hochinteressantes Konzept, das sie mittlerweile schon mit ihrem dritten Tonträger konsequent weiter führt. Es werden nicht nur musikalisch deutsche Wurzeln bekannt gemacht und aufgearbeitet, sondern das Konzept erlaubt eine inhaltliche Auseinandersetzung mit diesen Wurzeln
Folkmagazin, 3. Juni 2006
Gerade in Zeiten zunehmender sozialer Entfremdung und Geschichtsvergessenheit ist "März 1920" ein ganz wichtiges Dokument gegen das Vergessen und das Auslöschen der Erinnerung. Musikalisch schafft das Trio mit Skiffle, Folk und originellen Rapeinflüssen ("MärzRap 1920") eine musikalische Verbindlichkeit, die aufhorchen lässt und vor allem Lust zum Zuhören macht.
Herbert Federsel in Jazzdimensions, Mittwoch 06 September 2006
Nur für den Fall, daß es bisher keiner gemerkt hat: Das hier wird eine Serie! Wir holen uns unser Erbe. Und wir haben lange damit begonnen, bevor die Kollegen Hannes Wader und Erich Schmeckenbecher zu klagen begannen, das Nazis ihre Lieder singen.
Michael Zachcial , FolkWorld Ausgabe 32 - 12/2006
Da beißt die Maus keinen Faden ab: Der authentische Vortrag des Zeitzeugen Leschinsky ist an Eindringlichkeit nicht zu übertreffen. Aber so "isser" halt, der Frank Baier – er kommt noch mit dem "März-Rap 1920" daher: "Und Du fragst, was das soll? März 1920 – die Revolution?", rappt der Refrain herausfordernd, öffnet auch jungen Leuten die Ohren: "Wer die Geschichte nicht kennt und das Heute nicht sieht, hat keinen Plan – was morgen geschieht."
Rheinische Post, 4. Januar 2007
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