1920 - Lieder der MärzrevolutionPressestimmen (chronologisch):Seite: 1/2
- Preis der Deutschen Schallplattenkritik 2/2006
- CD des Monats Liederbestenliste April 2006
- Platz 1 Liederbestenliste April 2006
- Platz 1 Liederbestenliste Mai 2006
So kam es am vergangenen Sonnabend im KITO zu der Premiere des Programms dieser generationsübergreifenden Kollaboration mit dem Titel "Keine Bange, Leschinsky". Und so verlieh das Quartett denjenigen eine Stimme, die man lange totzuschweigen gesucht hatte... Einer der berührendsten Momente des Abends war Baiers Rezitation eines Stückes aus der Feder des Programmtitelgebenden Johann Leschinsky. Nach der mit minimaler Akkordeonbegleitung unterlegten und von Baiers leicht an Tom Waits erinnernde Reibeisenstimme intonierten Ballade über die Hinrichtung eines Rotgardisten durch ein fragwürdiges Militärgericht wagte niemand, zu applaudieren.
Die Norddeutsche / Weser-Kurier 16.Juni 2004
Der Märzaufstand 1920 - eine fast vergessene Geschichte aus der Region: Dieser einzigartige Volksaufstand im Ruhrgebiet findet sich in den Schulbüchern zu Unrecht oft nur noch als Randnotiz.
WDR Fernsehen, Juli 2005
Die Grenzgänger sind so etwas wie die Trüffelschweine der deutschen Liedermacher. Das Trio um den Bremer Musiker Michael Zachcial findet immer wieder abseits aller ausgetretenen Pfade politische Lieder, die in der Bearbeitung dieser Gruppe ein ganz neues Gesicht bekommen. Das alles ist wie immer bei den Grenzgängern mit viel Witz und Spielfreude angerichtet und zu einem "runden" Programm arrangiert worden.
Weser-Kurier, 31.8.2005
Der anrührendste Moment auf der CD ist (...) einem Zeitzeugen vorbehalten. Der inzwischen verstorbene Johannes Leschinsky erzählt, wie Freikorps-Verbände "den alten Muhs" umbrachten...Aber es gibt auch den in die Beine gehenden März-Rap, zu dem die Wittener "Sons of Gastarbeita" die Musik machen. Verblüffend, wie aktuell manche Texte wirken, etwa ein Lied von 1930: "Was? Du knurrst? Zu wenig Lohn?/ Schwere Arbeit? Schicht verkürzen?/ Mund gehalten! Keinen Ton!/ Sollen denn die Kurse stürzen?"
Bettina Jäger, Ruhrnachrichten, 8. Februar 2006
Die SPD-geführte Reichsregierung rief das Militär zu Hilfe - rechtsradikale Freikorps und die Reichswehr. Die aber gingen mit einer Brutalität vor, die alle Gewalt der Arbeitermilizen bei weitem in den Schatten stellte. In Duisburg, Dinslaken, Wesel regierte offener rechter Terror.
WDR 3, Sendemanuskript Resonanzen, von Michael Kuhlmann, ausgestrahlt am 15.2.2006
Frank Baier: Das Interesse war bei mir sehr groß plötzlich für das: Was ist hier geschichtlich im Ruhrgebiet abgelaufen? Und bin dann eben bei den Leuten, die 1920 tatsächlich mitgekriegt haben, Zeitzeugen, und hab denen dat Mikrofon unter die Nase gehalten und hab mitgeschnitten, wenn die gesungen haben. Und ich mußte dann dat Knopfakkordeon mitnehmen und hab dann auch ers' ma' einen vorgelegt, bis die dann weich waren, und da haben die dann einen gesungen, und so is' Material entstanden - und das hat Michael immer wieder interessiert! Und er hat gesagt: Hol ma' raus, die Kiste! Und laß uns mal da hören und laß uns mal da hören!"
Michael Zachcial: "Es ging uns nicht darum, irgendeinen linken Kitsch zu produzieren, sondern wir wollen wirklich etwas machen, was viele Leute auch nachvollziehen können. Ich denke, daß die künstlerischen Ausdrucksformen, die in den 70er Jahren, Anfang der 80er Jahre von den Liedermachern benutzt worden sind, heutzutage einfach - etwas respektlos formuliert - vielfach verbraucht sind. Das will keine Sau mehr hören. Es gibt andere Musikformen, die auch politische Inhalte haben, die viel, viel populärer sind."
Michael Kuhlmann, Sendemanuskript Resonanzen WDR 3, ausgestrahlt am 15.2.2006
Die dritte CD der Grenzgänger ist wieder ein toller Renner. Die Grenzgänger waren in der Liederbestenliste und haben den Preis der Deutschen Schallplattenkritik gewonnen. Die neue CD hat ein sehr ausgefallenes Thema, ein Thema, das in Deutschland heute sonst niemand wagt. Aber gerade darum: Wieder eine Empfehlung für den Bestenpreis.
Die Band nennt sich Folk-Avantgardisten. Ich nenne sie weniger griffig " Folk-Demokratie-Geschichtserzähler". Und wenn sie "Träume und Taten von Früher" der heutigen "Gelddiktatur" gegenüberstellen, dann klingt ein wenig Wehmut dabei, die sie durch mitreißende Musik und begeisternden Gesang zu vertreiben wissen. Anthologische CDs in Deutschland gibt es nur wenige. Eine so authentisch aufgearbeitete, mit einem 68seitigen großartigen Beibuch und musikalisch gibt es sonst hier fast nicht, nur bei den Grenzgängern. Wir wünschen Euch und Eurer neuen CD viel Erfolg
Hedo Holland, Folk-Magazin - Heft 2, 2006
Ich bin ganz begeistert von "1920". Eine musikalisch absolut hörenswerte CD, richtig klasse. Auch das Booklet mit den ergänzenden Infos sehr gut. Ich freue mich, daß "1920" erschienen ist!
Anke Baumhoff (WDR Fernsehen, 20.2.06)
Mit einer unterhaltsamen Mischung aus Rap, Irish Folk und Bänkelgesang gelingt es den Grenzgängern und Frank Baier, eine vergessene Revolution wieder auszugraben. Erfrischend frech setzt sich bereits der Titel-Rap "1920" über jede Geschichtsstunden-Betulichkeit hinweg. "Wen juckt das schon: 1920 - die Revolution", heißt es herausfordernd im Text. Die verrappte Botschaft lautet: Da war mal was, das wichtig war... Und so sind auch hier all die Lieder die besten, die es akustisch ordentlich krachen lassen, mit fast symphonischer Breite, mit Bassschrummen, Gegeige und Schalmeienklang. Am allermeisten fährt allerdings doch unter die Haut, wenn der alte Zeitzeuge loslegt, die immer noch kräftige Staublungenstimme erhebt ("Das war das!") und singend von damals gefallenen Rotgardisten erzählt. ...Wäre das so aufsässig weitergegangen damals, und nicht bloß ein paar Tage lang, bis zum wieder friedlichen Ostern Anfang April, dann hätte das mit dem Hitler und den Nazis wahrscheinlich nicht geklappt.
Wilfried Geldner (teleschau-Mediendienst, 23.2.2006 – Genre: Besonderes, Bewertung: Ausgezeichnet)
Das ist ein pures intellektuelles und ästhetisches Vergnügen, lehrreich und unterhaltsam zugleich. Da gibt es satirische und sentimentale Töne, Rap und Kampflieder, Schnulzen und Spottverse, Anklagen und stolze Bilanzen, Bonzenschelte und Klassenbewusstsein (ein Wort, das aus der Mode gekommen ist wie die Sache selbst - sehr zur Genugtuung derer, die genau wissen, woher sie ihre Privilegien beziehen). 68 Seiten ist das Beiheft dick. Es enthält die Liedtexte und weitere nützliche Informationen. Diese CD gehört in jede Schulbibliothek!
Thomas Rothschild (Titel-Magazin, 24.2.2006)
Ohren zu öffnen, das gelingt dieser CD. Und Risse in der Geschichte zu kitten, bevor sie zu tief sind. Die musikalische Bandbreite reicht vom HipHop übers Chanson bis zu einer Instrumentalversion der »Internationale«. Bemerkenswert das Booklet, in dem nicht nur alle Liedtexte nachzulesen sind, sondern mit kurzen Texten, historischen Fotos und Faksimiles packend Geschichte vermittelt wird.
Martin Hatzius (Neues Deutschland, 25.2.06)
Dass die Grenzgänger und Frank Baier seit Jahren auf der Liederbestenliste, der Hitparade der Liedermacher zu finden sind, ist kein Wunder. Wer so ernste, schwere Themen, so gekonnt und eindringlich interpretiert, gehört zu den großen Ausnahmen im Musikgeschäft. Es wäre nicht schlecht für unser PISA geschütteltes Schulsystem würde "1920" den oft drögen Geschichtsunterricht wenigsten etwas erhellen können.
Uwe Golz, Deutschland Radio, 1. März 2006
Die blutige Repression gegen die Menschen, die Widerstand gegen den reaktionären Putsch geleistet hatten, ob mit der Waffe oder nur als Sanitäterin, begann Ende März. Viele wurden ermordet. Die Losung der Putschisten war "Mit den Roten wird nicht verhandelt!" Mit dem Mord an rund 1.000 Menschen und Tausenden Verhaftungen, mit Gefängnis und Zuchthaus ging eine Widerstandsbewegung zu Ende, die noch verhindert hatte, was 1933 nicht verhindert wurde... Diese CD ist eine Produktion, die jede und jeden einen Schritt weiterbringt. Denn die Gruppe Grenzgänger & Frank Baier aktualisiert die Formen und Inhalte einer traditionellen Arbeiterkultur. Auch sind sie weit entfernt von der üblichen Revolutionsromantik der militanten Kämpfe der Arbeiterinnenbewegung.
Elke, in "Die Rote Hilfe" , 1.3.2006
Selten gelingt es einem Projekt, so viele Facetten miteinander zu verquicken... keine linke Propaganda-Platte, die sich im Schmusekurs mit Rotbrigadisten verliert. Vielmehr ist sie ein gesunges Zeugnis der Geschichte.
NRZ Oberhausen, 10.03.2006 , Thorsten Gerald Schneiders
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