„zakk": Frank Baiers helle Geschichtsstunde
Da geht es tief in den Schacht der Vergangenheit, zu Eisen und Erz, zum kochenden Pott, schwarz wird es und rot vor Blut. Da sterben Rotgardisten in Massen, da findet die Arbeiterfrau in der Lohntüte gerade genug für Pacht, Kohle, Kartoffeln und Brot, da liegen die Worte Bonzen, Rache und Blut nah beieinander. Wenn das nicht Lieder aus den Jahren um 1920 wären, wäre es nur eine düstere Geschichtsstunde über Kapp-Putsch und März-Revolution.
Doch wie Frank Baier aus voller Kehle „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, der Kaiser hat in´ Sack gehaun" krakelt, während er aus der letzten Stuhlreihe im „zakk" hinauf zur Band „Grenzgänger" kommt und anfügt, dass er das früher als Kinderlied lernen musste, fliegen so viele Heiterkeitsfunken, dass man harte Zahlen und Racheschwüre fast lustvoll ertragen kann.
Fehlte auch nur die Spielfreude, die mal frivol inszenierte, dann wieder beiläufige, leichte, kumpelhaft-väterliche Art, mit der Baier den anderen Musikern ein wissendes Grinsen zuwirft oder verzögert zunickt, oder antworteten Arne Wagner (Bass), Michael Zachcial (Gesang, Gitarre) und Jörg Fröse (Geige, Banjo, Ukulele> Gesang) nicht mit furiosem, freudig-gekonntem Zupfen, Klampfen und Fingern an den Instrumenten - dann wäre ihr Programm nur ein trauriges Aufbäumen der Arbeiterseele.
Doch so bringt Frank Baier (Ukulele, Akkordeon, Mundharmonika, Gesang), der Ende der 60er Jahre mit Skiffle begann und in den Siebzigern mit seiner Gruppe Kattong in Gefängnissen und besetzten Hau-, sern spielte, mit den „Grenzgängern" auf der Kohlenpott-Tour viel Spaß. Er ist gepaart mit einem nachdenklichen Grummeln in der Magengrube.
VON TIMO VAN TREECK, Rheinische Post Düsseldorf, 22.3.2007
|