Musik erzählt Geschichte: Die Märzrevolution von 1920 stand im Mittelpunkt des Konzerts, das "Die Grenzgänger" und Liedermacher Frank Baier im Alten Rathaus gaben. Riesenbeifall und Bravo-Rufe
"Es zog ein Rotgardist hinaus", "Wir sind der Pöbel", "Die Toten an die Lebendigen": In einem Feuerwerk aus Skiffle und Folk, Rap und Balladen ließen die "Grenzgänger" aus Bremen und der Duisburger Liedermacher Frank Baier am Freitagabend im Alten Rathaus den Arbeiteraufstand vom Frühjahr 1920 musikalisch neu aufleben. Von arroganten Bonzen und gefallenen Soldaten, von gebrochenen Idealen und grausamen Morden handeln die politischen Texte und Kampflieder - und doch gelingt es den vier Künstlern, das Publikum bei Laune zu halten. Mit Anekdoten und humorvollen Bemerkungen, vor allem aber mit höchst abwechslungsreichen musikalischen Färbungen sorgen sie immer wieder für Überraschungseffekte. Dabei stellen sie eindrucksvoll die Vielfältigkeit einfacher Zupf- und Saiteninstrumente wie Geige und Kontrabass, Banjo und Mandoline unter Beweis.
Jahrelange Recherchen stecken in dem Projekt rund um die Märzrevolution von 1920, die sich zunächst als Generalstreik gegen den Militärputsch in Berlin richtete und dann zum Arbeiteraufstand für eine kommunistische Räterepublik entwickelte. Besonders heftig tobte der Kampf im Revier, wo er von Regierungstruppen blutig niedergeschlagen wurde.
Sammlungen aus Antiquariaten, Erinnerungen von Zeitzeugen und wissenschaftliche Studien sind die Quellen, denen die engagierten Liedermacher ihre Texte verdanken. Diesen gab Sänger und Gitarrist Michael Zachcial durch seine musikalischen Bearbeitungen ihre unverkennbare Note. So wurde aus dem Marsch vom Städtchen im Ruhrgebiet ein Blues, aus dem Gedicht von den Bonzen ein Song im Latino-Stil.
Eine Strategie, die nicht nur bei den Insidern ankommt, sondern auch beim Hattinger Publikum. Riesenbeifall und Bravo-Rufe im Alten Rathaus.
18.03.2007 Von Rebecca Frener - WAZ
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